Mai 15, 2022

Am Mittwoch ist es ein halbes Jahr her, das Anna gegangen ist.
Ich habe lange nichts von mir hören lassen, aber ich wusste einfach nicht, was ich schreiben sollte. Mein Leben verläuft recht ereignislos, so fühle ich das jedenfalls. Ein Tag gleicht dem anderen und trotz kleinen Abwechslungen ist da dieses große Loch. Äußerlich wie innerlich. Das Haus ist leer, mal abgesehen von den Tieren, die mir weiterhin eine große Stütze sind und meinem Leben einen Rhythmus geben und alles ist irgendwie gleich, routiniert, eben, ohne das Auf- und Ab der Gefühle, was die letzten Jahre so reich gemacht hat, selbst wenn es oft anstrengend und beängstigend war.

März 6, 2022

Es ist lange her, dass ich geschrieben habe, aber so furchtbar viel ist auch nicht passiert. Der Frühling kommt so langsam nach Kristiansand. Heute sind es 10 Grad, der Schnee ist weg, aber das war er schon mal so. Direkt vor den Winterferien, in der letzten Februarwoche, dachten alle, dass der Frühling kommt. Pünktlich zu Ferienbeginn schneite es dann wieder und die Wege im Wald waren erneut völlig vereist. Eigentlich geht es in der Natur so wie in meinem Inneren. Die sonnigen warmen Zeiten, in denen man glaubt, dass der Winter überwunden und auf dem Rückzug ist, wechseln mit Rückschlägen, Wintereinbrüchen, kälte.

Januar 16, 2022

Nun sind es fast 2 Monate seit Annas Fortgang. Ich habe die ersten 2 Schulwochen hinter mir, arbeite wieder voll und finde mich immer besser in meinem neuen Leben zurecht. Es geht mir überraschend gut, gehe gerne zur Arbeit, bin viel mit den Hunden unterwegs und freue mich über die fantastischen Sonnenaufgänge, die hier zurzeit fast jeden Morgen zu bewundern sind. Ich fühle mich unglaublich wohl im Haus (davor hatte ich ein wenig Angst, unbegründet, wie es scheint) und bin nach wie vor unglaublich dankbar an so einem schönen und speziellen Platz leben zu dürfen. Auch nach nun fast 5 Jahren hier im Haus sitze ich am Morgen immer noch draußen und fühle mich wie in den Ferien. Es ist nie gewöhnlich geworden hier zu wohnen und dafür bin ich unglaublich dankbar!

Dezember 22, 2021

Zunächst einmal möchte ich Euch allen ein gutes und gesegnetes Weihnachtsfest wünschen . Kommst gut ins Neue Jahr!
Ich hoffe, es wird besser als das nun fast vergangene, aber das dürfte nicht schwierig werden, jedenfalls was die vergangenen 2 Monate betrifft.
Ich sitze wieder mal auf der Fähre und bin auf dem Weg nach Deutschland um Weihnachten zu „feiern“. Hinter mich zu bringen, oder zu „überstehen“, trifft es wohl besser. Ich freue mich wahnsinnig auf Titia, Friedrich, Gunvor und Annas Geschwister. Am 26. geht es dann nach Marburg um dort mit den Treptes Weihnachten zu begehen. Auch darauf freue ich mich natürlich sehr! Am 31. muss ich dann wieder nach Hause, denn am 3. Januar geht die Schule wieder los.
Aber der Reihe nach:

Dezember 3, 2021

Nun bin ich also auf dem Rückweg, sitze auf der Fähre und versuche die vergangenen 2 Wochen in irgendeiner Weise zu be-/verarbeiten. Zum Glück ist Sandra bei mir, die mich begleitet und mir hilft Annas Sachen in unserem Haus wegzuräumen. Ich schaffe das nicht alleine, kann aber nicht dauernd Annas Kleider usw. um mich haben. Das tut einfach zu weh. Sandra wird eine Woche bleiben und dann muss ich 1 Woche lang alleine klarkommen, bevor ich in den Weihnachtsferien wieder nach Deutschland fahre.

Dezember 1, 2021

Inzwischen sind Friedrich und ich in der zugegeben besonderen Lage auch nach einem so… viel, viel zu frühen Abschied auf unsere Eltern gleichermaßen zurückzusehen und die ganze Zeit, die wir mit ihnen hatten und je haben werden, zu überblicken. Wir können für uns erfassen was sie uns jeweils geschenkt haben, was wir von ihnen mitgenommen haben und was von ihnen uns unser ganzes Leben lang begleiten wird.

November 28, 2021

Trauerrede zu Annas Beisetzung am 27.11.2021 Friedhof Altenkrempe. Da ich mir nicht sicher war, ob ich es schaffe, die Rede in der Kirche zu halten, habe ich sie vorher aufgenommen und beim Gottesdienst abgespielt. Ihr könnt die Rede also lesen, oder hören (oder beides). Bericht zur Beisetzung und alles Andere folgt später…

November 21, 2021

Vielen, vielen Dank für die lieben Kommentare, die Beileidsbekundungen, die Erinnerungen, das Mut machen. Die Mails, die Nachrichten, alles das hilf uns sehr und zeigt, welchen großen Abdruck Anna hier auf der Erde hinterlassen hat.
Vielleicht scheint es seltsam oder pietätlos, aber ich muss mir das einfach von der Seele schreiben, vielleicht ist dies meine Art mit dem unsagbaren, unbeschreiblichen Verlust umzugehen und die Trauerarbeit zu beginnen.

November 18, 2021

Mich lässt der Gedanke an den Tod in völliger Ruhe.
Ist es doch so wie mit der Sonne:
Wir sehen sie am Horizont untergehen,
aber wir wissen, dass sie „drüben“ weiterscheint.

Anna-Maria Elisabeth von Bonin
18.10.1972 – 18.11.2021

November 11, 2021

Vielleicht liege ich auch völlig falsch, aber ich habe das Gefühl, Anna ist auf dem Weg. Die letzten 2 Wochen ging alles ziemlich schnell. Anna ist immer weniger präsent im Hier und Jetzt. Wenn wir am Morgen aufgestanden sind, dann verbringt sie den Vormittag mehr oder weniger vor sich hindösend im Rollstuhl am Küchentisch. Das Frühstück dauert lange und wenn sie den Kaffeebecher in der Hand hat, muss man aufpassen, dass sie nicht einschläft. Gesprächen kann sie nur noch kurze Zeit folgen, abgesehen von den Momenten, wo sie völlig klar zu sein scheint. Nach 2 bis 3 Stunden geht es zurück ins Bett. Wir haben jetzt einen „Aufzug“ bekommen, mit dem wir sie aus dem Rollstuhl ins Bett heben können. Das ist noch ungewohnt, wird die Sache aber sicher erleichtern, wenn man Routine hat und schont meinen Rücken. Gegen 15 Uhr steht sie dann wieder auf, weiß aber, wenn sie lange tieft und fest geschlafen hat, nicht, welche Tageszeit es ist und wundert sich dann, dass sie kein Frühstück, sondern Kuchen etc. bekommt. Mitunter verlangt sie auch vehement nach ihrem Frühstück und dann bekommt sie das natürlich auch. Zwischen 17 und 18 Uhr legen wir sie dann aufs Sofa, wo sie sich erneut ausruht, bevor es dann an das ziemlich langwierige Abendessen geht. Danach ist sie so müde, dass sie meist direkt ins Bett muss. Lesen oder Fernsehschauen interessieren sie nicht mehr.