Januar 16, 2022

Meine Engelkarte.

Die Treptes (Weihnachten in Marburg)

Neue Brille, ich sehe jetzt alles scharf...

Der Deutsch-Hund.

Licht.


Nun sind es fast 2 Monate seit Annas Fortgang. Ich habe die ersten 2 Schulwochen hinter mir, arbeite wieder voll und finde mich immer besser in meinem neuen Leben zurecht. Es geht mir überraschend gut, gehe gerne zur Arbeit, bin viel mit den Hunden unterwegs und freue mich über die fantastischen Sonnenaufgänge, die hier zurzeit fast jeden Morgen zu bewundern sind. Ich fühle mich unglaublich wohl im Haus (davor hatte ich ein wenig Angst, unbegründet, wie es scheint) und bin nach wie vor unglaublich dankbar an so einem schönen und speziellen Platz leben zu dürfen. Auch nach nun fast 5 Jahren hier im Haus sitze ich am Morgen immer noch draußen und fühle mich wie in den Ferien. Es ist nie gewöhnlich geworden hier zu wohnen und dafür bin ich unglaublich dankbar!
In der Neujahrsnacht haben Günther und Eckhard für mich eine Engelkarte gezogen, eine schöne Tradition. Auf den Karten steht das Motto für das kommende Jahr und es sind notwendiger Weise nicht nur erfreuliche Wörter, die man da aus dem Stapel ziehen kann. Jedenfalls haben sie (ohne zu schummeln) für mich eine Karte gezogen auf der „Zuversicht“ stand. Das hat mich natürlich sehr gefreut, aber ich habe mir das auch wirklich zu Herzen genommen.
Die Sonne steht nun schon fast wieder 1 Stunde länger am Himmel, die Tage werden heller und ich sehe bereits Licht am Ende des Tunnels. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen, dass es mir so kurz nach Annas Fortgang schon wieder so gut geht. Aber ich bin mir sicher, nichts anderes hätte Anna sich gewünscht. Sie hat nie den Kopf in den Sand gesteckt und zum Glück scheint das auf mich abgefärbt zu haben. Das Leben ist schön und man sollte es genießen. Ich versuch´s… Ist es nicht das, wovon Liebe handelt? Das man sich wünscht und alles dafür tut, dass es dem anderen gut geht, selbst wenn man selbst dabei zurückstecken muss. Liebe dreht sich nicht um einen selbst. Ich weiß, dass es Anna jetzt gut geht und natürlich bin ich unsagbar traurig, dass sie nicht mehr hier ist. Aber wenn ich dann am schneebedeckten Blumenboot stehe und mit ihr spreche, dann wird mir immer wieder bewusst, wie sehr die Trauer doch von mir selbst handelt. Ich bin traurig, ich will sie zurückhaben, ich will Zeit mit ihr verbringen, ich will mit ihr zusammen sein. Klar weiß ich, dass sich auch Anna mehr Zeit mit mir gewünscht hätte, aber mit all den Aufgaben und Schmerzen in den letzten Jahren… Ich weiß es nicht, aber mir hilft es über den Verlust hinweg, und wenn Liebe sich nicht um einen selbst dreht, dann weiß ich, dass Anna sich nichts sehnlicher gewünscht hätte, als dass es mir gut geht. Ich versuch´s und mache erstaunlich schnelle Fortschritte und diese Gedanken helfen mir über die dunklen Stunden, die es natürlich auch immer wieder gibt, hinweg.
Die Tiere sind eine gute Stütze und Cookie ist inzwischen zum „Deutsch-Hund“ geworden. Da sie läufig war und natürlich nicht mit Muffin allein zu Hause sein konnte, habe ich sie kurzerhand mit in die Schule genommen. Die Schüler freut es und plötzlich beginnen sie Vokabeln zu lernen, da Cookie selbstverständlich nur Deutsch versteht. Das ist mitunter sehr lustig und einige Schüler mit besonderen Bedürfnissen, die es sonst keine ganze Stunde im Klassenraum ausgehalten haben, sitzen nun brav an ihrem Platz und schreiben ihre ersten deutschen Wörter in das Heft. Cookie, die ja auch ie gelernt hat über viele Stunden alleine zu sein, ist unglaublich entspannt und spätestens ab der 2 Stunde liegt sie auf ihrer Decke und schläft, was die Schüler dann zwar nicht so toll finden, aber akzeptieren. Da nun alle wissen, das Cookie Möhren liebt, gibt es die im Überfluss und manche Eltern fragen sich wahrscheinlich, warum ihre Kinder plötzlich immer Möhren als Teil ihres Pausenbrotes mit in die Schule nehmen wollen. Bis jetzt hat sich zum Glück noch niemand beschwert und vielleicht kann Cookie ja zu einem festen Bestandteil des Schullebens werden. Muffin wird dann sicher bald auch noch dazu kommen – wenn ich Epoche habe und noch länger weg bin… . Jedenfalls brauche ich mir um die Betreuung der Hunde vorerst eine Sorgen zu machen. Ist schon verrückt, wie sich alles ordnet.
Ich wünsche Euch allen ein lichtvolles Jahr mit viel Zuversicht!
Bis bald

Tim

 

 

6 Comments on “

  1. Zuversicht für da neue Jahr hört sich gut an, finde ich. Du hast recht, Trauer ist schon eine komische Sache: es kann einem gleichzeitig gut und nicht gut gehen, während man lernt, Trauer, Verlust und Sehnsucht mit dem ganz gewöhnlichen Leben zu vereinen.
    Wie schön, dass die Schüler nun einen Schulhund haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das einen positive Effekt für einige hat.
    Wünsche dir weiterhin einen zuversichtlichen Januar – det går utvilsomt mot lysere tider!
    Klem fra Madlena

  2. Freut mich sehr, Tim, zu lesen, dass es allmählich wieder bergauf geht und die Dinge und Dein Befinden sich zum Besseren wenden! Weiter so!

  3. Lieber Tim, das sind schöne und ehrliche Worte von Dir. Danke, dass Du Deine Gedanken und Gefühle hier teilst, ich bin immer wieder berührt davon. An Anna denke ich sehr häufig, auch an Dich und eure ganze Familie. Es ist schön zu lesen, dass Du mit Zuversicht in die Zukunft blickst und das Schöne in der Welt und im Leben siehst. Ich bin sicher, dass Anna stolz auf Dich ist. Dir und Deinen Lieben alles Gute für das neue Jahr und liebe Grüße aus Marburg!

  4. Das klingt alles richtig ansteckend, lieber Tim! Sehr beschwingt. Weiter so! Lang ist’s nicht mehr bis zum Frühling. Schicke dir bald ein paar Kraniche vorbei … Marburger Grüße sendet Dirk

  5. Erst heute habe ich deine Zeilen gelesen und freue mich, wie zuversichtlich alles verläuft. Anna hätte sich genau das für dich gewünscht und hat dir ihren Teil der Lebensansicht mitgegeben.
    Heute sende ich dir Grüße aus Berlin, bevor ich Sonntag wieder auf die Insel reise.
    Alles Liebe Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.