Oktober 24, 2021

Wir haben es doch noch an den Strand geschafft!

"das Esszimmer"

Herbst.

 

Herbstzeit.

Nun sind wir seit 2 Wochen aus dem sonnigen und warmen Kreta zurück und hier hat richtig der Herbst Einzug gehalten. In den Nächten wird es empfindlich kalt, Eis musste ich auch schon von der Autoscheibe kratzen, die Blätter wirbeln umher und bald sind die Äste kahl.

Die Rückreise von Kreta verlief ganz gut und war nicht so anstrengend für Anna wie die Hinreise. Zum Glück hatten wir ja auch nur einen Zwischenstopp in Amsterdam. Unser Haus war in fantastischem Zustand und unsere Tiere hätten es auch problemlos noch länger mit unseren fantastischen „Haussittern“ Claudia und Erika ausgehalten. Vielen, vielen Dank, dass Ihr hier alles so toll behütet und versorgt habt! Mitte der Woche kam dann Titia und 2 Tage später Günther und Eckhard aus Berlin, um mit uns zusammen Annas 49 Geburtstag zu begehen. Wir sind am Abend schön Essen gegangen, oder besser gefahren, denn ohne Rollstuhl kann sich Anna weder außerhalb, noch innerhalb des Hauses mehr fortbewegen. Es war also wirklich unsere letzte Chance noch einmal nach Kreta zu kommen und wir sind froh und dankbar, dass das geklappt hat.

Letzte Woche Freitag war eine Ergotherapeutin hier, um zu sehen, welche Hilfsmittel wir im Haus gebrauchen können und 4 Tage später kamen dann eine Ärztin und eine Krankenschwester von der Palliativ-medizinischen Abteilung des Krankenhauses hier vorbei und wir haben alles durchgesprochen. Am Freitag kam zum Glück endlich das Krankenhausbett, denn die Treppe zum Schlafzimmer war für Anna eine zu große Hürde geworden, selbst mit der Hilfe von 2 Personen. Das Bett haben wir im Esszimmer aufgebaut und ich lege mir nachts eine Matratze auf den Boden, damit ich in der Nähe bin, falls Anna mal raus muss. Das beinhaltet zwar einige Räumerei, funktioniert aber ganz gut. Das Krankenhausbett hat allen nur denkbaren Schickschnack und eine spezielle Matratze sorgt dafür, dass Anna sich optimal betten kann. Zwar springt dafür alle paar Minuten eine automatische Luftpumpe an, aber die ist zum Glück so leise, dass es beim Schlafen nicht stört.

Gestern haben wir einen Ausflug in die Stadt unternommen und bequeme Klamotten gekauft. Es braucht noch einige Zeit, bis sich die Routine gefestigt hat, wie man Anna am besten vom Rollstuhl in das Auto hebt, aber das bekommen wir schon hin und es tut Anna gut, mal rauszukommen. Ansonsten sitzt Anna viel auf ihrem Lieblingsplatz neben dem Ofen in der Küche. Den Rollstuhl nutzen wir also nur zum „Transport“ von einem Zimmer ins Andere oder zur Toilette. Unser Haus ist zwar wirklich nicht gerade Rollstuhlgerecht, aber es geht trotz der vielen Türschwellen erstaunlich gut. Anna kann sich, da ihr linker Arm nicht mehr funktioniert, nicht alleine fortbewegen und wenn ich den Rollstuhl schiebe, sind die Türschwellen etc. kein Problem. Selbstverständlich fällt es Anna schwer jetzt auf das Erdgeschoss des Hauses beschränkt zu sein, bei allen Dingen auf Hilfe angewiesen zu sein, und wer will schon in einem Krankenhausbett liegen, selbst wenn es sehr bequem ist? Aber wir müssen uns mit der Situation arrangieren. Morgen kommt der häusliche Pflegedienst und wir besprechen, wie oft die kommen sollen. Die können mir sicher auch viele Handgriffe zeigen, wie ich Anna am leichtesten vom Rollstuhl ins Bett usw. heben kann.
Titia ist wirklich ein Segen. Sie wirbelt den ganzen Tag in der Küche, versorg uns mit allen nur denkbare Köstlichkeiten und ist da, so dass ich, ohne mir Sorgen zu machen, mit den Hunden laufen und mal rauskommen kann. Seit 19. Oktober bin ich krankgeschrieben und das Krankenhaus ordnet sämtliche Papiere für mich, so dass ich in den nächsten Wochen bei vollem Lohn zu Hause und für Anna da sein kann. Ich muss die Unterlagen dann nur noch an die entsprechenden Stellen weiterschicken. Welch ein Service!
Gestern ist unser Boot aus dem Wasser gehoben worden und ich werde das jetzt winterdicht „verpacken“, während Titia eine Torte für den Sonntagsnachmittage Kaffee backt. Klingt doch alles gar nicht so schlecht.
Wir machen das Beste draus, verlieren nicht den Mut und genießen die gemeinsame Zeit.
Wir lassen von uns hören.

Bis bald.
Tim & Anna

6 Comments on “

  1. Ach, ihr Lieben,
    ich kann mir vorstellen, wie sehr Anna die Veränderungen im Haus missfallen haben! Gut zu wissen, daß das System der Hilfeleistungen funktioniert. Und es war ganz sicher sehr schön, noch mal die Füße ins Meer stecken zu können.
    Seid ganz lieb gedrückt,
    Madlena

  2. Nachträglich noch alles Gute, liebe Anna♡
    Euch beiden viel Kraft für die kommende Zeit, ich denke sehr viel an euch und schicke weiter gute Gedanken ins Universum.
    Alles Liebe!

  3. Hallo Ihr Lieben im hohen Norden, es war so schön, Euch und Gunvor in Koutsounari begrüßen zu duerfen. Anna hat doch tatsächlich noch das lyrische Meer spuren duerfen. Ich bin echt begeistert, wieviel Hilfestellung Ihr bekommt. Ihr habt einen schönen Liegeplatz für Anna am Fenster ausgesucht, so kann sie den Herbst im Warmen miterleben. Alles Liebe und Kraft aus Kreta Euch allen. Seid herzlich gegruesst aus Ierapetra ! Johanna

  4. Liebe Anna, lieber Tim,
    im Sommer hat mir Helene von Annas Diagnose erzählt und euren Blog erwähnt, seitdem lese ich ihn aufmerksam und bewundere Euren Mut, Eure Art mit der Erkrankung umzugehen und Eure Liebe füreinander. Ich freue mich für Euch, dass ihr es nach Kreta geschafft habt und dort eine wunderbare Zeit verbringen konntet.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft, positive Momente und Wärme für die kommende Zeit.
    Ganz liebe Grüße von Vera (Freundin von Helene aus Marburger Zeiten….)

  5. Ihr Lieben, ich denke oft an Euch. Habe ich doch sehr Ähnliches vor 6 Jahren erlebt. Ihr macht es total gut. Die gemeinsame Zeit, die Euch bleibt, schweißt zusammen und Ihr seid Euch ganz nah. Das ist ein wundervolles Gefühl, weil man ja auch nicht immer an Abschied denkt, sondern einfach nur die Nähe genießt.
    Ich bin ganz bei Euch und wünsche Euch noch viele nahe und warme Momente.
    Seid beide ganz ganz lieb gegrüßt aus dem sonnigen und doch herbstlichen Marburg.
    Karin

  6. Hallo Anna und Tim,

    dass Griechenland geklappt hat freut mich für euch besonders, denn es war aus „Kreta“ herauszulesen, dass es euch wohl ein ganz großer Herzenswunsch war.
    Und dir liebe Anna noch nachträglich alles Liebe zum Geburtstag.
    Jetzt wieder zusammen daheim zu sein (das ihr euch mit einer beneidenswert gemeinsamen Energie und Tatkraft aufgebaut habt – das musste ich jetzt doch mal sagen) hilft euch beiden und auch euren Lieben hoffentlich ein wenig, trotz allem den Mut nicht zu verlieren.
    Ich denke ebenfalls sehr oft an euch und wünsche euch weiterhin viel Kraft und Zuversicht.
    Volker (ex norskkurs)

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