September 7, 2018

Etwas makaber. Eingang bzw. Ausgang zum Krankenhaus...

Heute hat es geregnet. Hier die Autobahn E39 bei Kristiansand.

Ansonsten schon Herbststimmung.

Anglerglück?

Einer von Muffins vielen Badeplätzen.

 

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß...

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Ich liebe dieses Gedicht von Rilke, und dieser Sommer war wahrlich sehr groß! Es ist nicht normal, dass man in Norwegen Morgens eine kurze Hose anzieht und erst zum ins Bett gehen wieder auszieht, meist braucht man Abends noch mal eine Klamottenschicht drüber...und hat regelmäßig Regentage dazwischen. Aber auch hier herrschte monatelang ein stabiles Hoch, ohne einen Tropfen Wasser. Man war so halb euphorisch und halb besorgt. Die Hitze war aber im Schatten gut zu ertragen, nicht so wie z.T. in Deutschland...
Wir haben mit Euch in Deutschland gelitten, diese fürchterliche Hitze und Trockenheit, auch als bei uns die Temperaturen wieder „skandinavischer“ wurden bei rund 20°C Mitte August.
Die Bauern in Norwegen eröffneten eine Homepage, wo sie angeben konnten wer noch Heu hat und wer noch welches braucht, tolle Idee finde ich. Es hat schon seine Vorteile, wenn man 5 mill. statt 80 mill. Einwohner hat...
Es wurde viel Heu aus Island gekauft, dort war ein mist-Sommer mit wochenlangem Regen...
(Vom Heu meiner Kindheit ist übrigens nie die Rede, sondern von den weißen Plastik-Ballen, Heulage, Mischung aus Heu und Silage.)
Das gute Wetter hat uns persönlich auf jeden Fall durch den Sommer geholfen! Wochenlang mussten wir täglich ins Krankenhaus, dass war nicht lustig. Aber Morgens auf der Terrasse, langsam aufwachend, mit Kaffe in der Hand und Blick auf den Fjord, wenn das ganze Haus noch schläft - herrlich. Letzten Sommer war Tim immer früh wach, diesen Sommer ich.
Wenn man mich schallend lachen hörte, dann während ich das Buch „1913: Der Sommer des Jahrhunderts“ von Florian Illies las, ein echter Tip! Durch die Bestrahlung hat mein Kurzzeit-Gedächnis mittelfristig gelitten, darum werde ich einige Bücher noch einmal lesen können - sehr praktisch bei meinem Konsum!
Die Stimmung hier war ruhig und harmonisch, erst gen Ende des Sommers „landete“ ich in der Realität: Ich habe verdammt aggressiven Krebs. Wenn ich einfach so weiter mache, ist das Ende klar und auch nicht mehr allzu fern. Ich brauche Hilfe!
Und prompt kam Hilfe.
Ein Telefon, das normalerweise selten geladen ist (mein deutsches Handy, „zufällig“ geladen wegen Telefonaten mit meiner deutschen Bank) plingte plötzlich und ich bekam eine SMS von einer Verwandten, mit der ich selten Kontakt habe. Sie fragte, wie es mir gehe und sie schickte ein Video von einer Frau, deren Buch sie gelesen hatte und von dem sie so begeistert war.
Das war der Anfang. Ich habe gelernt zu sagen: „Ich brauche Hilfe“, ohne mich dabei schwach zu fühlen, im Gegenteil, ich fühle mich stark dabei. Wie tief doch in mir saß, dass ich als starke Frau alles alleine schaffen müsse...
Jetzt bin ich auf einem guten Weg, bin innerlich erfüllt mit der Gewissheit das ich es schaffen werde. Arbeite viel in mir, lerne viel über mich und fühle mich geborgen.
Für Tim war das ein sehr harter Sommer, er ist ja der Realist von uns, hält mich am Boden. Er musste erst lernen wieder zu schlafen und nicht bei jedem Geräusch von mir Nachts aufzuschrecken (nach den epileptischen Anfällen) und es wird noch eine Weile dauern bis der tiefe Schreck überwunden ist.
Er freute sich auf das neue Schuljahr und fährt jeden Tag gerne zur Arbeit. Seine Rolle hier an der Schule ist eine ganz andere als in Marburg, er ist hier mit derjenige, der den Kollegen Waldorfpädagogik beibringt und der um Rat gefragt wird, unser neuer Schulleiter hat noch nie Kontakt mit dieser Schulform gehabt...
Ich bin noch eine Weile krankgeschrieben, muss mich gründlich von der Bestrahlung des Kopfes erholen und genieße den Spätsommer mit meiner Mutter. Meine Haare habe ich durch die Bestrahlung alle verloren, jetzt sprießen die meisten wieder, es wird wohl einige Stellen geben die haarfrei bleiben, aber gut zu überdecken sind. Aber genau wissen wir das erst in 2 Monaten. Und es bedeutet mir - so wie vorne ganz „flach“ zu sein -  überhaupt nichts mehr, nur das gebeugte Laufen und der steife Hals sind schwierig...Irgendwann, in ca. 6 Wochen, wird von meinem Kopf ein MRT gemacht, dann sieht man wie die Bestrahlung gewirkt hat. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Heute machen meine Mutter und ich Brombeerlikör, ein super Mitbringsel hier, wenn sich das rumspricht, werden uns alle Nachbarn einladen...
Wir hatten im August und Anfang September viel lieben Besuch, ich konnte mich in der Küche austoben und viele schöne Gespräche genießen.

Ich hatte eine Idee: was haltet ihr von einem Kalender für 2019? Etwa A3, mit schönen Fotos von hier? Er würde etwa 43,- € kosten. Bitte gebt Bescheid. Wir würden eine „Vorschau“ mit den genauen Preisen usw. in den Blog stellen und dann entsprechend in der Anzahl der Bestellungen drucken lassen. Es wird kein „Tim und Anna - Kalender“ sondern ein „Südnorwegen-Kalender“. Und lieber mit Platz für Notizen für jeden Tag oder nicht?

Außerdem eine ungewöhnliche Frage: Wir überlegen über Weihnachten etwa eine Woche nach Deutschland zu fahren und suchen liebe Menschen die sich vorstellen könnten in unserem Haus zu wohnen und die Katze und Hühner (falls die nicht vorher Frikassee werden) zu hüten. Weihnachtsbaum - und Deko würden gestellt und Holzlager ist gefüllt. Schnee können wir allerdings nicht garantieren...
Tim und ich haben eine Wette laufen - er meint niemand würde Weihnachten vereisen, ich bin aber davon überzeugt, irgendjemand wartet schon lange auf diese Gelegenheit, wusste es vielleicht nur noch nicht...
Es gibt zwei Gästezimmer und 4 bis 6 Betten (z.T. aufblasbar) Sofas usw.
Bedingung ist dass wir diejenigen kennen.
Es geht um die Zeit 21./22. Dezember etwa eine Woche.Sylvester könnten wir dann zusammen feiern...

Wir wünschen Euch einen schönen Herbst, milde letzte Sommertage und nicht zu viele Wespen...(haben hier zum Glück kaum welche - z.Zt.)
Liebe Grüße,

Anna & Tim

P.S.: Auf Wusch einer lieben Freundin, haben wir die Schrift des Blogs mal etwas dunkler gemacht. Vielleicht lässt es sich so besser lesen...

5 Comments on “

  1. hex Anna und Tim, danke auch für diesen Blog!!!!!
    So kann ich, können wir doch immer ein bisschen mit teilhaben.
    Fühlt euch dolle viel gedrückt und wir alle hier wünschen euch viel Kraft und ein erfolgreiches „weiter so“…
    Gaahanz viele liebe Grüße
    Volker

  2. Liebe Anna
    Danke Dir für den wunderbaren Text und Deine offenen berührenden Worte ich habe so viel Achtung mit welchem Mut Offenheit und innerlich aufrechter Haltung Du Deinen Weg gehst. Ich umarme Dich..und Tim von ganzem Herzen
    Ruth

  3. Liebe Anna, lieber Tim,
    es tut gut, von euch zu hören. Ich habe gerade in den letzten Tagen viel an euch gedacht und mich gefragt, wie es wohl läuft. Und dann kommt auch schon die Antwort. Wünsche euch weiterhin mehr dieser sanften Ruhe.
    Seid gedrückt, Madlena

  4. Ihr Lieben, ganz herzliche Grüße von Eurer Insel. Anna ich schreib dir die Tage mal ausführlicher und danke dir für deine tollen offenen Worte. Meine Gedanken sind so oft bei dir und Tim, eigentlich täglich, wenn ich am Kouros vorbeifahre. Filakia Nadine

  5. Liebe Anna, ich wünsche Dir und deiner Familie alles erdenklich Gute. John denkt soooo gerne an die Zeit in Norwegen zurück. Vor einigen Wochen war Friedrich auf dem Hof, ich habe herzlich zum “ Landwirt“ gratuliert.
    Und vielen Dank für die wunderschönen Bilder in eurem Blog.

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