November 3, 2019

Die Fenster sind eben von 1880...

Die Biber sind fleißig hier in der Gegend.

Ablenkung und dunkle Gedanken...

Gestern habe ich mich dabei „erwischt“, wie ich beim Morgenspaziergang mit Muffin vor mich hin gesungen habe - das ist lange her. Und ich habe eigentlich auch keinen Grund, aber meine Frohnatur kommt langsam aber sicher manchmal wieder durch. Am 23.11. findet in dem Nachbarort "Justvik" ein Weihnachtsmarkt statt, wo ich einen Stand habe um meinen Schmuck zu verkaufen - und das ist genau das, was ich z.Zt. brauche. Seit dem Basar in der Waldorfschule Marburg vor 4 Jahren, lag mein Material in Kisten, auf die ich manchmal Sehnsuchtsvoll schaute... Jetzt, wo ich Ablenkung brauche, kommt dieser Weihnachtsmarkt perfekt. Beim Werkeln schaue ich irgendwelche leichte Kost bei Netflix o.Ä. - herrlich. Und nach dem Weihnachtsmarkt bastelt mir Tim vielleicht eine Homepage, über die ich verkaufen kann...

Zwischendurch plane ich meine Beerdigung, versuche Tim im Voraus etwas abzunehmen. Vielleicht lachen wir in 10 Jahren darüber? Wär ja geil.
Seitdem die Nachbarn von meiner Diagnose/Prognose wissen, bekommen wir Kuchen, kleine Geschenke und jede Menge Hilfsangebote. Echt eine supernette Nachbarschaft! Und viele in unserem Alter. Ich weiß Tim hier gut aufgehoben, ein gutes Gefühl. Wenn ich dann mal die Erde verlassen habe, wird wahrscheinlich auf Halbmast geflaggt (manche Flaggen auch an Geburtstagen, man zeigt also Freude wie auch Trauer so) und er wird mit Mitgefühl und Hilfsangeboten überrannt.
Ich nehme alle 4 Wochen 1 Woche Chemo in Tablettenform und wie immer vertrage ich die recht gut, die Blutwerte sind gut. So wird die Dosis gesteigert. Irgendwann Ende November, wenn die dritte Dosis gewirkt hat, wird ein neues MRT gemacht, also der Kopf geröntgt, in Feinstaufnahmen. Und glaubt mir, vor dem Ergebnis haben wir echt schiss!
Aber bisher hält mein Kopf Ruhe, ich merke ja, wenn‘s wieder losgeht.
Am nervigsten ist die Müdigkeit. Eine Nebenwirkung der Chemo. Das schränkt schon sehr ein. Und die Antriebslosigkeit, zumindest zu allem was nicht so viel Spaß macht wie Ketten machen...
Ein Wochenende waren wir auf der Hochzeit bei meiner Kusine in Oslo, dort habe ich neben der norwegischen Familie auch alle meine Geschwister wieder gesehen, wir fünf sind ein toller Haufen!
Auch hatten wir wieder netten Besuch:
Ein Wochenende mein Bruder Aidan, der mir einen Kettenständer gebaut hat (Bild unten in der Mitte), dann Claudia und Erika, ehemalige Norwegisch-Schüler aus der Marburger Gegend, die eine Fewo in der Stadt hatten und ab und an zu Besuch kamen, zum plaudern oder um mit Muffin zu spazieren.
Es ist kalt und ungemütlich draussen (gerade haben wir Schneeregen - es ist eben November…), wir kämpfen mit undichten Türen und Fenstern, (außer im Ess- und Wohnzimmer). Günther und Eckhardt, unsere Berliner Freunde hatten eine Idee uns zu helfen, schaut Euch bitte, bitte, das mal an, es ist ja bald Weihnachten.

https://www.betterplace.me/neue-fenster-im-schlafzimmer

Wir lassen bald wieder von uns hören.

 

Anna & Tim

5 Comments on “

  1. Liebe Anna,
    ich grüße dich aus dem Marburger Land, in dem aktuell das gewohnte trübe Herbst-Schmuddel-Wetter herrscht. Aber nach den vielen Monaten Trockenheit finde ich das als „Hobby-Gärtnerin“ nahezu beruhigend.
    Ich wünsche euch viel Kraft und Mut. Berührend ist die Lebensfülle, von der du schreibst, und diese Fülle ist meiner Meinung nach das wichtigste im Leben, denn das Erfüllt-Sein macht letztendlich die Sinnhaftigkeit in seiner Dauer aus. Ich wünsche dir neben den ernsten Gedanken auch weiter viele Momente deiner Frohnatur und einen schönen Basar. Die Ketten schauen super aus, wär´s nicht gar so weit in den Norden, täte ich dran teilhaben.
    Sei umarmt, herzliche Grüße von Barbara

  2. Liebe Anna,
    wir beide kennen einander kaum, am ehesten durch die Marburger Waldorfschule, durch meine Jüngste, Jula (nach einer norwegischen Kinderbuch-Illustratorin…) und ihre älteste Feundin Isabel, die wird Tim in Erinnerung haben. Dadurch kam ich dazu, Euren Blogg zu lesen und damit unerwartet auch von deiner Erkrankung. Bislang habe ich mich nie in einer Position gesehen, Dir etwas schreiben zu dürfen. Aber nach deinem letzten Beitrag möchte ich dir mal persönlich einen großen Dank sagen! Ich wurde gerade 60 und arbeite seit Jahren in Altenhilfe-Einrichtungen. So geht es natürlicherweise zumindest im Hintergrund viel ums Sterben und irgendwie immer um eine gelingende Balance mit dem Weiterleben, mit dem Ablenken, mit anderen, alltäglicheren Themen. Vorbereitet sein auf das Sterben, erleiden, abgeben und hinnehmen – und trotzdem im Jetzt leben, genießen, entwickeln, kreieren. Ich kann garnicht sagen, was genau so besonders daran ist, wie Du schreibst, aber es öffnet mir irgendwie das Herz. Die scheinbare Leichtigkeit? Selbstverständlichkeit? Schönheit? Lebensfreude?
    Ich möchte noch sehr lange von dir lernen und wünsche Dir und den Deinen von Herzen weiterhin alles Gute, wo auch immer!
    Bettina

  3. Liebe, tapfere Anna,
    in der Schule, besonders morgens beim Kaffee mit Frank Hummel und Martin sprechen wir immer wieder von Euch und denken an Dich. Gerne denke ich an Dein munteres, fröhliches Wirken in der Küche, Deine supernetten Tauschrausche und Deine schönen Ketten, von denen ich auch noch ganz besondere Exemplare besitze. Ich glaube auf Deinen Fotos noch Knöpfe aus dem Nachlass meiner Mutter entdeckt zu haben. Wie schön, dass sie weiter verwendet werden und Du sie noch gut gebrauchen kannst.
    Ich wünsche Dir noch eine lange kreative Zeit, viel Kraft und schöne Stunden in dieser traumhaften Landschaft bei Euch.
    Ganz liebe Grüße
    Bettina Buchholz

  4. Hallo liebe Anna,
    vielleicht kannst Du Dich an zwei deiner ältesten Norwegisch-Schülerinnen erinnern, die ebenfalls – bis heute – große Skandinavienfans sind: Helga und Irmtraud.
    Ich Irmtraud war damals schon fasziniert von Deinen Ketten und freue mich, dass Du mit dem Basteln Ablenkung findest. Ich bete ganz oft für Dich und andere Kranke in unsere Bekanntschaft. Vi onsker deg aldt aldt godt.
    Hilsen fra Irmtraud

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