November 12, 2017




Ich weiß, ich sollte mein Auto mal waschen...



Endlich haben unsere Hühner angefangen Eier zu legen



Die Seehunde sind nur noch selten zu sehen



Morgenstimmung

Schöner November

Inzwischen ist es kalt geworden. Wir haben die ersten Nachtfröste erlebt und wenn wir in die Schule fahren, dann müssen wir erst die Autoscheiben vom Eis befreien. Die Boote sind aus dem Wasser gehoben worden und jede nur mögliche Stellfläche der kleinen Häfen wird ausgenutzt, um die Boote abzustellen und sicher über den Winter zu bringen. Die Seehunde, die sich den ganzen Sommer über draußen auf den kleinen Schären vor unserem Haus getummelt und gesonnt haben, lassen sich nicht mehr blicken und kommen wohl erst wieder, wenn die Sonne genug Kraft hat um die Steine zu erwärmen. Drinnen ist es dank unseres Ofens kuschelig warm und da das Wetter auch mitspielt, lassen sich die Novembertage richtig genießen. Nachdem wir im Oktober mit Überschwemmungen und unglaublich viel Regen zu kämpfen hatten (im Abstand von 3 Wochen jeweils an einem Wochenende mehr als 200 mm Niederschlag, heftige Schäden, gesperrte Straßen etc.), verwöhnt uns nun seit längerem die Sonne. Ab und zu schauert es einmal und die Sonne hat keine rechte Kraft mehr, aber von trüber Novemberstimmung kann bisher nicht die Rede sein. Aber das kann ja noch kommen…
Inzwischen stehen nur noch 2 Autos vor unserer Tür, denn André hat in den hessischen Herbstferien sein Auto abgeholt. Danke trotzdem an Volker und Daniel für das Angebot, das Auto nach Deutschland zu bringen. Ich habe es inzwischen auch geschafft mein Auto einzuführen und endlich norwegische Nummernschilder bekommen. Nachdem uns der Zoll telefonisch gesagt hatte, dass es keinen Publikumsverkehr mehr gibt, bin ich also Anfang Oktober zu Statens Vegvesen (TÜV und Zulassungsstelle in einem) gefahren um mein Auto anzumelden (1 Jahr darf man hier mit ausländischen Nummernschildern fahren, aber dann wird es richtig teuer, wenn man von der Polizei angehalten wird). Ich war also um 7:45 Uhr an einem Tag da, an dem man ohne Termin einfach vorbeikommen konnte. Da die ersten aber bereits nachts um 4 Uhr dort waren und gewartet haben, kam ich natürlich deutlich zu spät und habe keinen Termin mehr bekommen. Allerdings haben mir die unglaublich netten und hilfsbereiten Angestellten gesagt, dass ich selbstverständlich erst einmal zum Zoll muss. Sie haben dann für mich dort angerufen, alles geregelt und erklärt und so konnte ich direkt hinfahren (nachdem ich einen festen Termin ohne unnötige Warterei für Anfang November bekommen hatte). Beim Zoll mal eben 25 % Mehrwertsteuer auf mein Auto bezahlt (als ob ich nicht schon in Deutschland 19% MwSt. bezahlt hätte…) und den benötigten Zettel erhalten, der es einem erlaubt, sein Auto in Norwegen zuzulassen. Anfang November also wieder zu Statens Vegvesen, die haben das Auto kurz kontrolliert und mir den entsprechenden Bescheid mit Zulassungsnummer gegeben, damit ich nun die engangsavgift (Einfuhrabgaben) bezahlen und eine Versicherung abschließen kann. Wenn das erledigt ist, dann darf man wiederkommen und die deutschen, gegen die norwegischen Nummernschilder tauschen. Da man das alles online erledigen kann, habe ich das in der Schule gemacht und konnte noch am selben Tag wieder hinfahren und meine Nummernschilder abholen. Alles ging dann sehr schnell, mit freundlichen und hilfsbereiten Angestellten. Das war dann wirklich kein Vergleich zu deutschen Behörden. Nun habe ich zwar unglaublich viel Geld bezahlt, allerdings ist das Auto dann auch hier in Norwegen entsprechend mehr Wert. Kommt also nie auf die Idee, in Norwegen ein Auto zu kaufen und das dann in Deutschland zu verkaufen. Dann kann man das Geld lieber verbrennen, das wärmt wenigstens für kurze Zeit. Warum die Autos hier alle so unglaublich teuer sind (mal abgesehen von Elektroautos, auf die man keine Mehrwertsteuer bezahlt) hat sich mir allerdings noch nicht wirklich erschlossen.
Nun steht uns das Ganze noch für Annas Auto bevor, aber dafür müssen wir erst mal sparen und solange hoffen, dass Anna nicht angehalten wird.
Ansonsten läuft hier alles in gewohnten Bahnen. Anna hat eine neue Mitarbeiterin für die Küche bekommen und mit der Einarbeitung wieder von vorne angefangen. Ganz schön anstrengend, aber mit dem anderen Koch hat das irgendwie nicht geklappt (jedenfalls nach Meinung unseres Chefs). Ich versuche weiter den Schülern die deutsche Sprache näherzubringen und nach und nach macht der Unterricht immer mehr Spaß. Wichtig ist eben, dass die Schüler aus der Stunde etwas mitnehmen, ob das nun eine Deutschvokabel oder ein besonderes Gefühl oder Erlebnis ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Es ist eben schön an einer Waldorfschule zu arbeiten, da zählen auch noch andere Dinge. Zumal wohl mindestens 95 % der Schüler nie wieder Deutschunterricht haben werden, wenn sie nach der 10. Klasse auf die weiterführenden Schulen gehen (und den Schülern der Klassen 8 bis 10 ist dies leider durchaus bewusst und führt nicht unbedingt zu einem Motivationsschub…).
Anna und ich sind im Moment wirklich mal für einige Zeit alleine in unserem Haus, aber das wird sich Ende November wieder ändern, da bekommen wir Besuch aus Kreta und darüber freuen wir uns unglaublich!
Nun scheint gerade die Sonne durch die Fenster, Anna werkelt in der Küche, der Ofen knackt gemütlich, die Katze ärgert den Hund und wird gleich nach draußen verbannt und ich werde mich der Unterrichtsvorbereitung widmen. Ein ganz normaler Sonntag also im wunderschönen Norwegen.
Lasst es Euch gut gehen, wir melden uns bald wieder.

Liebe Grüße

Tim & Anna

PS. Vielen Dank für die lieben Kommentare und Mails nach Annas letztem Beitrag. Es ist schön zu wissen, dass Ihr da seid und Anna beisteht!

 

5 Comments on “

  1. Es ist so schön wieder von Euch zu lesen. Hier auf Kreta muss ich mir immer vor Augen halten, dass November ist, auch wenn ich wieder Socken trage, so ist das kein Vergleich zu Norwegen 🙂
    Ganz liebe sonnige Grüße und ich höre das leise Holzknacken und Feuerflackern (ach schön)

  2. Hallo, schön von Euch zu lesen. Die Stimmung mit dem Ksmin kann ich mir richtig vorstellen, dann such bei uns knackt gerade das Feuerholz.
    Liebe Anna, mach weiter so und fühl Dich ganz fest gedrückt.
    Ganz viele herzliche Grüße aus dem gerade völlig verregneten Hessen.

  3. Ich schicke Euch herzliche Spaetnachmittagsgruesse aus Bulgarien! Auch bei uns knisterts im Kamin! Euch noch schöne Novembertage und einen ganz speziellen Gruss fuer Anna!
    Wir hatten bis jetzt Glück mit den Herbsttagen, es hat bisher nur 3 mal geregnet, die letzten 2 Tage noch gute 17 Grad, aber ab kommender Woche werden die Temperaturen wohl runter gehen!
    Lasst es Euch gut gehen, seid herzlich umarmt! Johanna

  4. Lieber Tim, liebe Anna
    Dein Humor ist so herzerfrischend und zusammen mit den wunderschönen Photos läßt es einen etwas von Eurem Alltag miterleben
    .. und geniesst einmal Eure kostbare Zeit zu zweit mit Muffin und Bluebaer …
    ..und wenn ihr nicht wieder von lieben Freunden „belagert“ werdet komme ich gerne einmal um euch live in diesem schönen zu Hause zu sehen…zu Weihnachten besuche ich Sarah in Paris..sie bleibt dort bis Mai..aber im Februar habe ich eine Woche frei das wäre eine Möglichkeit.
    Hier hat seit ein paar Tagen auch die kalte Jahreszeit begonnen..am Wochenende werde ich auf der Rax ..Hausberg von Wien ca 1000m… bei Minustemperaturen Schnee und hoffentlich Sonne dem Winter entgegenwandern
    Anna Tim ihr seid einfach toll!! ich wünsche euch viele kuschelig warme Stunden und eine gute Zeit alles Liebe Ruth

  5. Liebe Anna, lieber Tim,
    auch wenn ich eure Beiträge selten kommentiere, möchte ich danken für die großartigen Schilderungen, ich lese sie mit Begeisterung.
    Fast hätte ich meine Koffer gepackt um dir Anna in der Küche zur Seite zu stehen, wäre ja nicht das erste mal ;)),
    Dein Mut dich den Herausforderungen zu stellen ist unbeschreiblich und verdient meinen ganzen Respekt, ich denke öfters an dich und schicke dir Licht.
    Ich wünsche euch eine koselige Winterzeit und freu mich auf die nächsten Trollnews.
    Alles Liebe Luzy

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