Dezember 8, 2018

Anna bei ihrer abendlichen Lesestunde.

Unser Haus leuchtet auch wieder.

Adventslicht.

Inzwischen ist es ganz schön dunkel bei uns in Norwegen. Wenn ich so gegen 8 Uhr in die Schule fahre - und es mal zufälliger Weise nicht regnet -, dann kann man über dem Meer einen ersten Lichtschimmer erkennen. Bei schönem Wetter ein fantastisches Farbenspiel, aber so richtig hell wird es erst gegen 9 Uhr. Für die Spaziergänge mit Muffin am Nachmittag habe ich mir inzwischen eine Stirnlampe zugelegt, damit ich auch nach 16:40 Uhr noch mit ihm unterwegs sein kann. Aber in 2 Wochen ist ja schon Sonnenwende, der Tiefpunkt ist also fast erreicht und dann muss die Dunkelheit ganz langsam wieder dem Licht weichen. Die Stadt und viele Häuser sind festlich geschmückt und an Lichterketten wird hier nicht gespart.
Aber ich schreibe hier Nichtigkeiten und Ihr wollt sicher wissen, was bei Annas Untersuchungen herausgekommen ist. Zunächst einmal hatten wir einen Termin in der Krebsstation des Krankenhauses, bei dem wir von Annas Ärztin freundlich aber mit sehr ernstem Gesicht begrüßt wurden. Uns rutschte natürlich das Herz in die Hose, doch war das ernste Gesicht wohl eher dem allgemeinen Stress der Ärztin zuzuschreiben, als Annas Untersuchungsergebnissen. Der Krebs im Rücken ist stabil und gibt soweit Ruhe und die Metastasen im Kopf sind durch die Bestrahlung ein wenig kleiner geworden. Sie rechnet damit, dass die Tumore durch die Langzeitwirkung der Bestrahlung weiter schrumpfen. Es wäre gut, dass wir in 14 Tagen noch einen Termin bei den Neurologen hätten, die könnten sicher noch etwas genauer Auskunft erteilen. Also durchaus gute Nachrichten. Ich weiß nicht ob es an der Situation oder den eigenen Erwartungen lag, aber irgendwie waren wir beide eher enttäuscht als begeistert, was natürlich mit der Situation und der „Stimmung“ der Ärztin zu tun hatte. Vielleicht hatten wir auch einfach zu viel erwartet und gehofft, dass die Tumore gänzlich verschwunden wären. So eine Art Weihnachtswunder… Jedenfalls dauerte es nach dem Termin einige Stunden, bis man sich darüber klar geworden war, dass es wirklich gute Nachrichten waren, die wir da bekommen hatten. Und schließlich ist ja auch noch nicht Weihnachten – wegen des Wunders – meine ich. Am letzten Donnerstag war dann der Termin bei den Neurologen, die aber auch nicht viel mehr sagen konnten. Da die Tumore kleiner geworden sind wird bei Annas nächster Blutprobe festgestellt, wie hoch der Wert eines der Epilepsiemedikamente ist und dann ein Plan erstellt, mit dem sie sich vielleicht aus einem der Medikamente „herausschleichen“ kann, so dass sie dann wenigstens 4 Tabletten weniger täglich nehmen muss. Das wird dann im Neuen Jahr passieren.
Am Donnerstagabend bekamen wir dann Besuch und haben Günther und Eckhard gleich mit in die Domkirche von Kristiansand geschleppt, in dem die ersten 3 Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt wurden. Schließlich haben Günther und ich das schon als Schüler in Marburg mit dem Chor gesungen und aufgeführt. Ein schöner Abschluss des Tages der einen wirklich in Weihnachtsstimmung versetzt hat.
Viel mehr gibt es von hier im Moment gar nicht zu berichten. Alles geht seinen gewohnten Gang, Annas Kräfte kehren langsam zurück und es sieht so weit ganz gut aus, dass sie nach den Weihnachtsferien (bei uns beginnt die Schule wieder am 2. Januar…) wieder ein ganz klein wenig arbeiten kann. Sie macht sich dabei aber keinen Stress und kann ganz spontan entscheiden, ob ihre Kräfte dafür ausreichen oder nicht.
Wir wünschen Euch eine geruhsame und besinnliche Adventszeit und wir werden bald wieder von uns hören lassen

Tim & Anna

4 Comments on “

  1. Wunderbar!!! Gute Nachrichten! Ich freue mich mit und für euch. Ich hoffe, ihr genießt die Tage vor und Weihnachten und könnt genüsslich ins neue Jahr rutschen. Herzliche Grüße aus Marburg, Christina

  2. Danke, Tim, also für mich klingt alles sehr gut und aufbauend. Und wieder so schöne Bilder! Habt weiter eine schöne Adventszeit, danach ein wunderbares Weihnachtsfest, und für das neue Jahr alles erdenklich Gute! Hier hat die Regenzeit begonnen, Schnee fiel nur kurz, nun ist es wieder wärmer, über 10°C. Der Basar liegt hinter uns, das Christgeburtsspiel naht, und auch hier scheint mehr oder weniger alles „wie immer“ auf Weihnachten zuzugehen. Das Organisatorische in der Schule ist chaotischer geworden, aber damit habe ich wenig zu tun. Vor allem bin ich Zuhause und schreibe, schreibe, schreibe … Die wissenschaftlichen Vorgaben lassen Kreativität nur in einem vorgegebenen Rahmen zu, aber immerhin. Macht mir alles viel Freude. Und der Ofen brennt, das Holzmachen im Frühjahr hat sich wieder einmal bezahlt gemacht. Von einer außergewöhnlich reichen Obsternte zeugen die Saftvorräte im Keller. Da können gerne noch ein paar kalte Tage kommen. So lange dunkel ist es hier aber nicht. Wenn der HU beginnt, ist es morgens hell, auch bei Regenwolken. Macht es gut da oben im Norden! Viele herzliche Grüße aus Marburg sendet euch Dirk

  3. Auch wenn sie in kleineren Schritten kommen als erhofft sind es immerhin gute Nachrichten. Ich drücke die Daumen, dass es so weiter geht. Es sieht sehr schön aus bei euch. Ich mag es ja dunkel und kalt 🙂 Viele Grüße und eine schöne Adventszeit wünscht euch Michelle

  4. Lieber Tim Trepte,

    Ich sitze grade nach dem Weihnachtsessen zusammen mit meinen Eltern, Gerhard und Iris, im Wohnzimmer und wir lasen deinen Blogbeitrag.
    Für mich ist es das letzte Weihnachten, vorerst, im Ruhrgebiet, da ich am Donnerstag zurück nach Marburg kehren werde um Philosophie und Politik zu studieren. Außerdem feiern wir aus unserer alten Klasse in Marburg am 27.12 unsere alljährliche Weihnachtsfeier in Marburg.

    Viele Grüße in den Norden und viel Kraft für euch beide, auch von den beiden alten Stockers
    Malte

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